Nachruf Willi Steimle

Erinnerung an Willi Steimle
Willi Steimle ist nicht mehr unter uns – man kann und will es nicht fassen. Steht er doch allen, die ihm in den letzten Jahren begegneten, als der Inbegriff eines vitalen, sportlich trainierten Bergsteigerseniors vor Augen, dem man seine 83 Jahre nicht ansah.
Die Sektion Ebingen verliert mit Willi das Mitglied, welches weitaus am längsten aktiv für sie tätig war. Als er 1954, von den Tailfinger Naturfreunden kommend, der gerade einmal zwei Jahre zuvor gegründeten Sektion beitrat, brachte er auch eine ganze Gruppe gleichgesinnter Jugendlicher mit und übernahm 1961 die Führung der bis dahin von Franz Hanischdörfer und Karl-Heinz Walz („Quax“) geleiteten Jungmannschaft. Damit erhielt die Sektion nicht nur einen kräftigen Zuwachs, sondern auch einen jugendlichen, aktiven Impuls. Die Jungmannschaft zählte bald mehr als 50 Mitglieder und hatte eine eigene Mädelgruppe. Sie war nicht nur im Donautal und in den Bergen sehr aktiv, sondern bereicherte regelmäßig die Edelweiß-Herbstfeste mit gesanglichen, schauspielerischen und tänzerischen Auftritten. In dem von ihr mit ausgestalteten Bürgerturm, der 1964 eingeweiht wurde, fand sie ihre Heimstatt.
1971 übernahm Willi das neue geschaffene Amt des Tourenwarts alpin, 1983 das Ausbildungsreferat. Als wir ihn 1995 – mit gleichzeitiger Berufung in den Ehrenrat – verabschiedeten, bedeutete das keineswegs eine Zurruhesetzung. Vielmehr betätigte er sich weiterhin bei den wöchentlichen Übungsabenden an der Kletterwand, die 1996 in der Landessportschule in Tailfingen eingerichtet wurde. Und selbstverständlich war für ihn das Ebinger Haus im Donautal ein zweites Zuhause. 2014 übernahmen Willi und seine Frau Helga vom Ehepaar Erich und Maja Keppler zudem die Betreuung des Bergsteigerhocks im Bürgerturm.
Willi war ein Allroundbergsteiger: Schitourengeher im Winter, Hochtourengeher im Sommer, mit Vorliebe auch im Mont Blanc-Gebiet (u.a. Brenvaflanke und Rochefortgrat), und Kletterer, selbstverständlich im heimischen Donautal, aber ebenso in den Dolomiten. Das Klettern behielt er bei, als sich die meisten seiner Bergfreunde längst zur Ruhe gesetzt hatten, im Donautal, aber auch bei allsommerlichen Ausfahrten nach Südfrankreich – in die Provence und ins Zentralmassiv. In den letzten 20 Jahren nahmen Willi und Helga auch regelmäßig an den Gemeinschaftstouren mit dem CAF Chambéry teil.
Am Ende seines ersten Tourenberichts in den „Nachrichten der Sektion Ebingen“ (Nr. 29 vom September 1963), nach der Durchsteigung der Pallavicinirinne am Großglockner, schrieb Willi: „Solange wir jung sind, wird es wohl immer so sein, dass die Erfüllung eines Wunsches nur ein Meilenstein auf der Suche nach einem neuen Glück in den Bergen ist.“ Diese Jugendsehnsucht blieb bei Willi bis ins hohe Alter erhalten. So wird er uns immer in Erinnerung bleiben.
Egon Viesel

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Willi Steimle zusammen mit Klaus Straub aktiv beim Ebinger Haus.
Foto E. Viesel