Erinnerung an Fritz Engel

Fritz Engel wurde 1974 unter dem damaligen 1.Vorsitzenden Willi Roth in den Ausschuss der Sektion Ebingen gewählt und übernahm dabei von Karl Locher die Schriftleitung der Sektionsnachrichten. Seine innovative Energie zeigte sich sofort darin, dass das Nachrichtenblatt ein neues Gesicht bekam. Es erschien ab der Nr. 50 /1974 mit ganzseitigem Foto auf der Vorderseite und dem Titel “Gipfelrast”.

Unvergesslich die langen, sich oft bis nach Mitternacht hinziehenden Abende, in denen wir beide zusammen mit dem damaligen 2. Vorsitzenden Walter Rieber in der Engelschen Wohnstube zusammensaßen und die Nachrichtenhefte Seite für Seite zusammenklebten, nachdem Suse Engel die zu dieser Zeit oft noch handgeschriebenen Beiträge erst einmal auf der Schreibmaschine getippt hatte. Unvergesslich vor allem die von Fritz dabei mitgelieferten, meist humorvollen, gelegentlich aber auch bissigen Begleitkommentare, wenn einer der Beiträger sich im Ausdruck oder Ton vergriff. Hatte er doch schon erhebliche Mühe aufgebracht, die noch ausstehenden Tourenberichte fürs “Blättle” überhaupt einzutreiben. Und noch heute bereitet es immer wieder ein Vergnügen, seine persönlich gefärbten Protokolle der Ausschusssitzungen durchzulesen, in denen er, nachdem er 1980 alleiniger Schriftführer (er versah dieses Amt dann bis 2013) geworden war, sich mit seiner eigenen Meinung keineswegs zurückhielt.

Als 2. Schriftführer neben Otto Gronle übernahm Fritz (ebenfalls bis 2013) auch die Redaktion des Touren- und Jahresprogramms, das von 1985 an als gesondertes Heftchen mit dem Titel “Gipfelziele” erschien. Er beließ es aber nicht nur bei der Redaktion, sondern nahm auch z.B. größtenteils die Organisation der Hüttendienste gleich selbst in die Hand.

Damit nicht genug. Alljährlich im Frühsommer veranstaltete er, selbst ein exzellenter Pflanzen- und Blumenkenner, zusammen mit seinem Bruder Rolf die geradezu legendären “Bleamlestouren”, in ihren besten Zeiten vollbesetze Busausfahrten meist ins nahe Allgäu oder in den Bregenzerwald.

Seine Albheimat kannte Fritz, ab 1977 Nachfolger von Edmund Boss als Wanderwart der Sektion, wie nur wenige. Aber auch beim Klettern im Donautal und im Gebirge, sommers wie winters, stellte er seinen Mann, auch wenn er nicht immer der schnellste war. Und er wusste sich sehr wohl zu behaupten, wenn sich etwa einer über seine nicht am Parallelschwung ausgerichtete Skiabfahrtstechnik mokieren wollte. Eine Episode ist mir in diesem Zusammenhang besonders in Erinnerung geblieben:

Wir waren auf einer der Skitourenausfahrten, die damals noch regelmäßig mit dem Bus durchgeführt werden konnten, unter der Leitung des leider auch schon verstorbenen Gerhard Kemmler. Wir waren  auf der Hörnertour vom Riedbergerhorn zum Rangiswangerhorn herüber gekommen, hatten dort kurz angehalten und standen nun, die ganze Meute, nach kurzer Abfahrt bereits 100 Höhenmeter wartend unterhalb dem Gipfel. Nur einer war noch oben – natürlich Fritz Engel. Soeben wollten einige anfangen zu lästern, als Gerhard Kemmler plötzlich einen Schrei losließ: “Mein Rucksack! Fritz!”. Er hatte ihn oben vergessen. Zwei Minuten später kam Fritz mit dem Rucksack angekurvt und übergab ihn dem Tourenleiter, mit überlegenem Lächeln: “Do sehet’r!”

Fritz Engel war ein Original. Er kannte unglaublich viele Leute und war selbst eine stadtbekannte Persönlichkeit, weniger als Angestellter bei der Deutschen Bank, vielmehr als humorvoller, witziger und äußerst schlagfertiger echter “Altebinger”. Im städtischen Alltagsleben hat er über Jahrzehnte hinweg die Sektion Ebingen des Alpenvereins wie kein anderer verkörpert und vertreten. Auch aus diesem Grund sollten wir ihm dankbar sein und ihn nicht vergessen.

Egon Viesel